Nebenverbraucher (Lüfter, Pumpe, Standby) schätzen¶
Zuletzt geändert am 12.09.2026
Die Lambda hat kein Modbus-Register für den Stromverbrauch einzelner
Nebenkomponenten – insbesondere nicht für den Ventilator (Lüfter) des
Energiequellenmoduls. Nur der Verdichter hat einen eigenen
Energiezähler (compressor_power_consumption_accumulated). Dieser Artikel
zeigt, wie man den restlichen Stromverbrauch trotzdem sichtbar machen kann –
und wo die Grenzen einer Schätzung liegen.
Hintergrund: Issue #86.
⚠️ Alle Prozentwerte in diesem Artikel stammen von genau einer Installation und sind nicht übertragbar. Diese Anlage macht aktuell ausschließlich Warmwasser für eine Person, ein Mal täglich – kein Heizbetrieb. Das erklärt einen erheblichen Teil der weiter unten gezeigten Abweichungen vom Mittel. Eine andere Installation (andere Personenzahl, Heizbetrieb, Klimazone, Gebäudedämmung, PV-Nutzung, ggf. Heizstab) wird andere, unter Umständen sehr andere Werte haben. Die Zahlen unten dienen ausschließlich dazu, die Methode zu zeigen – nicht dazu, sie unverändert zu übernehmen.
Best Practice: ein Zwischenzähler vor der Lambda¶
Die einzige Möglichkeit, den tatsächlichen Gesamtverbrauch der Lambda zu messen, ist ein dedizierter Stromzähler in der Zuleitung – z. B. ein Shelly 3EM (oder Pro 3EM), der ausschließlich den Stromkreis der Wärmepumpe misst (nicht den ganzen Hausanschluss). Dieser Zähler erfasst alles, was die Lambda verbraucht: Verdichter, Lüfter, Umwälzpumpe(n), Regler-Elektronik/Standby und ggf. den elektrischen Heizstab.
Mit einem solchen Zwischenzähler lässt sich der Nebenverbrauch exakt berechnen – keine Schätzung nötig:
# configuration.yaml (Ausschnitt)
template:
- sensor:
- name: "Lambda Nebenverbraucher Energie (exakt)"
unique_id: lambda_nebenverbraucher_energie_exakt
unit_of_measurement: "kWh"
device_class: energy
state_class: total_increasing
state: >
{% set gesamt = states('sensor.MEIN_ZWISCHENZAEHLER_ENERGIE') | float(0) %}
{% set verdichter = states('sensor.eu08l_hp1_compressor_power_consumption_accumulated') | float(0) / 1000 %}
{{ (gesamt - verdichter) | round(2) }}
sensor.MEIN_ZWISCHENZAEHLER_ENERGIE durch den eigenen Energiesensor des
Zwischenzählers ersetzen (kWh, state_class: total_increasing). Da beide
Zähler nie exakt zum gleichen Zeitpunkt starten oder zurückgesetzt werden,
kann der berechnete Wert kurzzeitig leicht schwanken – über einen Monat
oder ein Jahr gemittelt ist er aber belastbar. Das ist der einzige Weg
in diesem Artikel, der eine echte, für die eigene Anlage gültige Zahl
liefert – alles Weitere unten ist Näherung.
Den Zwischenzähler direkt in die Integration einbinden¶
Statt (oder zusätzlich zu) dem Template-Sensor oben lässt sich der
Zwischenzähler auch nativ in die Lambda-Integration einhängen: Die
Energieverbrauchs-Sensoren (heating_energy_total, hot_water_energy_total,
cooling_energy_total, defrost_energy_total, stby_energy_total, jeweils
auch täglich/monatlich/jährlich) lesen normalerweise den internen
Verdichter-Zähler, lassen sich aber pro Wärmepumpe auf einen externen
Quellsensor umstellen – z. B. genau den Shelly-Zwischenzähler:
# lambda_wp_config.yaml (Ausschnitt)
energy_consumption_sensors:
hp1:
sensor_entity_id: "sensor.MEIN_ZWISCHENZAEHLER_ENERGIE"
Die Integration erkennt die Einheit des externen Sensors automatisch
(Wh/kWh/MWh) und ordnet die Deltas per Flankenerkennung weiterhin korrekt
der jeweiligen Betriebsart zu. Der Unterschied zum Template-Sensor oben:
Die eingebauten ..._energy_*-Sensoren zeigen dann direkt den gesamten
Stromverbrauch der Lambda (Verdichter + Lüfter + Pumpe + Standby) je
Betriebsart – ganz ohne eigene Vorlage. Ausführlich beschrieben unter
Energie- und Wärmeverbrauchsberechnung → Externe Sensoren konfigurieren.
Für die Nebenverbraucher-Betrachtung in diesem Artikel bleibt der interne
compressor_power_consumption_accumulated-Sensor davon unberührt (er
existiert unabhängig weiter) – erst die Differenz aus externem
Zwischenzähler und diesem internen Sensor ergibt den Nebenverbrauch.
Was ich aus echten Daten gelernt habe – und wie unrepräsentativ sie sind¶
Für Issue #86
habe ich genau diesen Vergleich auf einer Installation nachvollzogen, die
zufällig einen dedizierten Shelly 3EM vor der Lambda hat. Über die
Home-Assistant-Statistik-API (ha_get_statistics, Aggregation pro Monat)
ließen sich rund 23 Monate Verlauf auswerten – das ist die komplette
bisherige Historie dieser Installation: sowohl der Zwischenzähler als
auch der Verdichter-Energiezähler der Integration beginnen erst im
Spätsommer/Herbst 2024 (Inbetriebnahme) – ein drittes Jahr existiert
schlicht nicht. Beide Sensoren liefern state_class: total_increasing,
sodass sich pro Kalendermonat einfach die jeweilige Differenz (change)
bilden lässt:
| Nebenverbraucher-Anteil am Gesamtverbrauch | Monate |
|---|---|
| ~15–20 % | Dezember, Januar, Februar (volle Heizlast) |
| ~21–29 % | März, April, Oktober, November (Übergangszeit) |
| ~31–52 % | Mai–September (kaum Heizbedarf, nur Warmwasser) |
Der Anteil schwankt also um mehr als das Dreifache übers Jahr – logisch, denn Umwälzpumpe, Regler und Standby-Elektronik ziehen eine fast konstante Grundlast, die im Sommer (wenig Verdichterlaufzeit) einen viel größeren Anteil am (kleinen) Gesamtverbrauch ausmacht als im Winter.
Über zwei unabhängige, vollständige 12-Monats-Fenster (Okt.–Sep.) blieb der Jahres-Anteil dagegen deutlich stabiler, bei rund 21–26 % – aber auch das war die Zeit, bevor auf dieser Anlage auf reinen Warmwasserbetrieb für eine Person umgestellt wurde. Selbst auf ein und derselben Installation verschiebt sich der Anteil also stark, sobald sich die Nutzung ändert (hier: kein Heizbetrieb mehr, nur noch 1× täglich Warmwasser für eine Person) – ein weiterer Beleg dafür, dass es sich um eine Momentaufnahme handelt, nicht um eine feste Kenngröße.
Zusätzlich: Diese Zahl ist nicht direkt mit einer reinen Lüfter-Schätzung vergleichbar (wie sie im Issue ursprünglich vorgeschlagen wurde) – sie enthält zusätzlich Umwälzpumpe und Standby-Elektronik. Der Lüfter allein macht davon nur einen Teil aus.
Warum das kein Sensor der Integration wird¶
Ich nehme diese Schätzung bewusst nicht als eingebauten Sensor auf:
- Es gibt kein Register, das den Lüfter (oder die Pumpe, oder den Standby) isoliert misst – jede Herleitung bleibt eine Näherung ohne Messgrundlage.
- Die oben ermittelten Werte stammen von einer Installation mit ihrem eigenen, aktuell sehr untypischen Nutzungsprofil (nur Warmwasser, eine Person, ein Mal täglich) – siehe Warnhinweis oben. Auf einer anderen Anlage, oder auf derselben Anlage zu einer anderen Zeit, können sie deutlich abweichen.
- Ein fest eingebauter Sensor würde eine Genauigkeit vortäuschen, die die zugrunde liegenden Daten nicht hergeben.
Aus demselben Grund verzichte ich bewusst darauf, unten fertige Zahlenwerte zum Copy-&-Paste anzubieten. Die beiden folgenden Varianten zeigen nur die Methode – die Platzhalter darin müssen durch eigene, selbst gemessene Werte ersetzt werden. Wer keine eigenen Werte hat (also keinen Zwischenzähler zumindest für eine Kalibrierungsphase betrieben hat), sollte auf die Näherung ganz verzichten und stattdessen dauerhaft einen echten Zwischenzähler nutzen (siehe oben).
Variante A: Methode – monatliche Eigenkalibrierung¶
Idee: ein monatsabhängiger Faktor, multipliziert mit der tatsächlichen
Verdichterenergie des laufenden Monats. Voraussetzung ist, dass man
selbst für mindestens ein Jahr einen Zwischenzähler betrieben (oder
weiterhin in Betrieb) hat, um die zwölf Monatsfaktoren für die eigene
Anlage zu ermitteln – nach dem Rechenweg aus dem Abschnitt oben
((Zwischenzähler_Monat − Verdichter_Monat) / Zwischenzähler_Monat).
# configuration.yaml (Ausschnitt)
utility_meter:
lambda_verdichter_energie_monatlich:
source: sensor.eu08l_hp1_compressor_power_consumption_accumulated
cycle: monthly
template:
- sensor:
- name: "Lambda Nebenverbraucher geschätzt (Monatsfaktor)"
unique_id: lambda_nebenverbraucher_monatsfaktor
unit_of_measurement: "kWh"
device_class: energy
state_class: total
state: >
{# NICHT meine Beispielwerte übernehmen - durch eigene, #}
{# selbst gemessene Monatsfaktoren ersetzen! #}
{% set faktor = {
1: 0.00, 2: 0.00, 3: 0.00, 4: 0.00, 5: 0.00, 6: 0.00,
7: 0.00, 8: 0.00, 9: 0.00, 10: 0.00, 11: 0.00, 12: 0.00
} %}
{% set f = faktor.get(now().month, 0.0) %}
{% set verdichter_monat = states('sensor.lambda_verdichter_energie_monatlich') | float(0) / 1000 %}
{{ (verdichter_monat * f / (1 - f)) | round(2) if f > 0 else 0 }}
Ohne eingetragene eigene Faktoren liefert der Sensor bewusst 0 – erst
mit echten, selbst gemessenen Werten wird er sinnvoll.
Variante B: Methode – Jahresmittel-Eigenkalibrierung¶
Einfacher, dafür ungenauer: ein einziger fester Faktor auf die gesamte
Verdichterenergie, ohne saisonale Unterscheidung – ebenfalls erst
sinnvoll mit einem selbst ermittelten Wert. Als input_number-Helfer,
damit er sich ohne YAML-Änderung anpassen lässt (Muster wie bei der
Heizkurve):
# configuration.yaml (Ausschnitt)
template:
- sensor:
- name: "Lambda Nebenverbraucher gesamt geschätzt (Jahresmittel)"
unique_id: lambda_nebenverbraucher_jahresmittel
unit_of_measurement: "kWh"
device_class: energy
state_class: total
state: >
{% set f = states('input_number.lambda_nebenverbraucher_faktor') | float(0) %}
{% set verdichter = states('sensor.eu08l_hp1_compressor_power_consumption_accumulated') | float(0) / 1000 %}
{{ (verdichter * f / (1 - f)) | round(1) if f > 0 else 0 }}
input_number.lambda_nebenverbraucher_faktor als Helfer anlegen (Min 0,
Max 0.6, Schritt 0.01, Standardwert 0 – bewusst kein Vorschlagswert).
Den eigenen Faktor mit (Zwischenzähler_gesamt − Verdichter_gesamt) /
Zwischenzähler_gesamt über mindestens ein volles Jahr ermitteln und erst
dann eintragen.
Fazit¶
- Mit Zwischenzähler: exakte Rechnung (siehe oben), keine Annahmen nötig – das ist der einzig verlässliche Weg.
- Ohne eigene, selbst gemessene Werte: die beiden Vorlagen oben sind reine Methodik-Vorlagen ohne sinnvollen Standardwert – meine eigenen Zahlen sind zu installationsspezifisch (und aktuell zu untypisch), um sie an andere weiterzugeben.
- Die beiden dafür genutzten Sensoren der Integration:
compressor_power_consumption_accumulated(Verdichter-Energie) und, für die momentane Auslastung,compressor_unit_rating(EQM, %) – siehe Sensoren-Übersicht.